Andrea Doehrer

Andrea Doehrer

Im Jahre 1841 vor 175 Jahren wurde das einzige noch heute in Ostfriesland stehende Synagogengebäude in Dornum errichtet.

Urkunden aus dem Jahre 1730 belegen, dass die Judenschaft zu Dornum in der alten hohen Kirchstraße über einen eigenen Betraum verfügte.

Der Geldverleiher Samuel Arons ließ 40 Jahre später, da sich die Gemeinde vergrößerte, im Jahre 1770 auf eigene Kosten eine neue Synagoge mit angebautem Logement für den Custos der Synagoge David Isaaks am gleichen Platz des früheren Betraums errichten. Bis zur Fertigstellung der neuen Synagoge fand die Thoralesung  im Hause seiner Eltern statt. Arons verkaufte 1773 „unter gewissen Bedingungen“, wie es am 5. September 1776 im Hypothekenbuch heißt, wegen ständiger Streitigkeiten und Prozesse gegen einige Mitglieder der Dornumer Judenschaft die Synagoge, das Logement sowie den von seiner Mutter Hester Samuels geerbten jüdischer Friedhof an die Dornumer Judenschaft. Die vorhandene Thora sowie die Leuchter, den silbernen Jad (Hand) zum Lesen der Thora sowie diverse andere silberne Synagogengegenstände durften laut Vertrag von der Judenschaft weiter benutzt werden, verblieben jedoch im Besitz von Arons. Weiterhin machte Arons zur Bedingung, dass zwei Betplätze, davon einer in der Männersynagoge, der zweite in der „Weiberordnung“ (Frauenbetraum), ihm und seiner Frau vorbehalten blieben. Als weitere Bedingung forderte Arons, dass zwei Gräber in der Reihe seiner Familie für ihn und seine Ehefrau frei zuhalten sind. Dafür erließ er der Judenschaft 20 güldene Louidors, die er von der Kaufsumme abzog.   

Hester Samuels hatte 1723 von dem Herrlichkeitsbesitzer Haro Joachim von Closter die schon seit einigen Jahren angeheuerte Lübbe Lübbenwarft, die seit der Weihnachtsflut von 1717 als Friedhof benutzt wurde, erworben.

1841 wurden zwei Bürger lutherischen Glaubens aus Dornum verpflichtet, eine wahrheitsgemäße eidliche Ehrenerklärung darüber abzugeben, ob die Judenschaft von Dornum schon immer eine Synagoge an diesem Platz ihr eigen nannte und auch ständig gebraucht hätte. Diese Ehrenerklärung war notwendig geworden, da die Judenschaft bemüht war, für den Neubau einer Synagoge einen Kredit zu erwirken. Mit Datum vom 17. Dezember 1841 wurden der Judenschaft zu Dornum 100 Pistolen (preußische Währung) von dem christlichen Geldverleiher Haitet Fastenau aus Schweindorf eingeräumt. Zur Absicherung des Kredits, der bar vorgestreckt wurde, mussten die Dornumer Juden ihr gesamtes Hab und Gut verpfänden. Sie erklärten und verpflichteten sich solidarisch, d.h. einer für alle und alle für einen, das Darlehen mit 1% jährlich vom gleichen Tage an in kapitalmäßiger Münzsorte zurückzuzahlen. Obwohl die Verschuldungsurkunde erst 1842 im herrschaftlichen Gericht unterzeichnet wurde, war die Synagoge schon 1841 fertiggestellt.

Die Synagoge wurde das erste Mal 1860 von innen renoviert. 1895/96 wurden Sitzbänke eingebaut. 1920 wurde die Synagoge an die örtliche Stromversorgung angeschlossen und erhielt elektrische Beleuchtung. Die Mikwe (Ritualbad) der Gemeinde befand sich nach Aussage eines Augenzeugen im hinteren Teil zur Kirchstraße hin in der Synagoge und konnte von außen durch einen separaten Eingang betreten werden. Bei dieser Mikwe kann es sich jedoch nur um das 1904 stillgelegte Ritualbad handeln, da sich im Anbau der im Jahre 1904 neugebauten, 1922 geschlossenen und 1933 verkauften Elementarschule in der Beningalohne eine für damalige Zeit moderne Mikwe noch heute befindet. Am 7. November 1938, nur zwei Tage vor der Reichspogromnacht, wurde die Synagoge an den Nachbarn und Möbelhändler August Tessmer verkauft, der die Räumlichkeiten als Möbellager und Tischlerwerkstatt nutzen wollte. Das sich noch in der Synagoge befindliche Inventar, Bänke, Vorbeterpult und der Thoraschrein, wurde mit dem aus dem Hause des Vorstehers Rose entwendeten Kultgegenständen und Gemeindeunterlagen am 10. November 1938 auf dem Marktplatz verbrannt.

1953 wurde der Vordergiebel verändert und mit zwei Schaufenstern und einer schmalen Ladentür versehen. Das Gebäude wurde bis 1989 für verschiedene Zwecke genutzt.

Im Jahre 1990/91 wurde die Synagoge, die lediglich als einziges Gebäude von ehemals 12 Synagogen in Ostfriesland, zwar beschädigt, erhalten geblieben war, restauriert. Die nur mit einem Holzfußboden abgedeckte Mikwe, die sich unter dem rechten Frauentrakt befand, wurde als solche nicht erkannt, mit Sand verfüllt und zubetoniert. Die Dornumer Synagoge ist zugleich die einzige erhaltene Landsynagoge im Weser- Ems -Gebiet.

Seit dem 5. März 1992 wird die Synagoge als Gedenkstätte von den Mitgliedern des 1989 gegründeten Vereins „Synagoge Dornum“ e.V. (Förderverein) betreut. In den Räumlichkeiten befindet sich eine Dauerausstellung über die ehemalige jüdische Bevölkerung von Dornum und Ostfriesland. An Hand von originalen Kultusgegenständen, Thora, Megilla-Ester, Gebetsbüchern zu den verschiedenen Festen und hohen Feiertagen, Menora, Chanukkaleuchter ect. wird das jüdische religiöse Alltagsleben in einer großen Wechselausstellung dargestellt. Die Mitglieder des Vereins sind bemüht, in Wechselausstellungen auch den verschiedenen Strömungen des jüdischen Volkes Rechnung zu tragen.

Am 5. März 2017 möchten wir in einer besonderen Gedenkstunde der jüdischen Opfer  und der Zerstörung der Synagoge gedenken. Zugleich möchten die Mitglieder des Fördervereins die Wiedereröffnung der „Synagoge“ vor 25 Jahren als Gedenkstätte vorstellen und Einblicke in ihre Gedenkstättenarbeit geben.

Wenn Sie über unsere Gedenkstätte oder über unsere Arbeit mehr erfahren möchten, besuchen Sie uns in der Dornumer Synagoge. Öffnungszeiten: Freitag - Samstag – Sonntag von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Mit Gruppen nach Vereinbarung.

Georg Murra-Regner

Tuesday, 02 August 2016 16:23

Führungen durch das jüdische Dornum

Im August und September bieten wir jeweils dienstags Führungen durch das jüdische Dornum an. Treffpunkt ist um 15.00 Uhr an der Synagoge, Kirchstraße 6. Nach einem Rundgang durch den Ort, u.a. werden der Marktplatz und der jüdische Friedhof besucht, wird auch die Synagoge besichtigt. Die Führung dauert etwa 1 1/2 Stunden und kostet 3,00 € für Erwachsene. Die Führungen werden angeboten von Herrn Georg Murra-Regner, dem Leiter der Gedenkstätte "Synagoge Dornum".

In den letzten Monaten hat der Verein "Gedenkstätte Synagoge Dornum" zwei neue Bücher veröffentlicht. Zum einen erschien das Buch "Wir haben also unseren Ruin vor Augen - Der Pogrom in Neustadtgödens vom 5. Mai 1782" von Herrn Georg Murra-Regner unter Mitarbeit von Frau Andrea Döhrer. Es beschreibt die Umstände, die zu diesem Pogrom geführt haben, sowie den Verlauf und die Schadensregulierungen; außerdem sind viele Quellen im Original nachzulesen. Ein Anhang bietet Informationen zu den beteiligten Personen. Das Buch ist in der Gedenkstätte erhältlich und kostet € 9,80.

Ein weiteres Buch wurde von Herrn Georg Murra-Regner verfasst und am 31.01.2016 in Dornum vorgestellt. Es lautet "Wir sind und wollen nur noch Deutsche sein. Die Rechtsstellung der Juden in Ostfriesland." Prof. Dr. Bernhard Parisius, der ehemalige Archivdirektor des Niedersächsischen Landesarchivs in Aurich sagt u.a. über diese Veröffentlichung: "Das Buch bietet mehr und Spannenderes als der bescheidene Untertitel 'Die Rechtsstellung der Juden in Ostfriesland' verspricht. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Darstellung der Sozialgeschichte der Juden in Ostfriesland von den Anfängen bis zur NS-Zeit. Darüber hinaus zeigt Herr Murra-Regner auch noch auf, wie sich die immer noch unbegreiflichen Veränderungen der NS-Zeit gegenüber den Juden schon seit dem Kaiserreich anbahnten. Ein weiteres großes Verdienst von Herrn Murra-Regner ist, dass er die Sozialgeschichte der ostfriesischen Juden nicht isoliert darstellt, sondern sie sowohl in die ostfriesische Geschichte wie auch in die Sozialgeschichte der deutschen Juden einbindet. [...] Man kann nur jedem an der jüdischen und ostfriesischen Geschichte Interessierten den Kauf und vor allem die Lektüre dieses Buches empfehlen."

Das Buch ist für €16,80 ebenfalls in der Gedenkstätte Synagoge Dornum käuflich zu erwerben.

Am 29.03.2016 besuchte der Institutsleiter der "Alten Synagoge Essen", Herr Dr. Uri Robert Kaufmann, mit seiner Frau und Freunden die Gedenkstätte "Synagoge Dornum" und wurde von Herrn Georg Murra-Regner und Andrea Döhrer herzlichst empfangen. Gemeinsam tauschten sie Erfahrungen und innovative Ideen bzgl. der Gedenkstättenarbeit, die in Dornum und Essen unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen geleistet wird, aus.

Auf dem Foto zu sehen sind (v.l.n.r.): Friederike Brunnbauer, Uwe Witt, Andrea Döhrer, Georg Murra-Regner, Dr. Uri Kaufmann, Irene Kaufmann)

Saturday, 26 March 2016 16:26

Öffnungszeiten

Die Gedenkstätte Synagoge Dornum ist von Freitag bis Sonntag jeweils von 15.00 - 18.00 Uhr geöffnet. Sie befindet sich in der Kirchstrasse, mitten in Dornum.

Wednesday, 02 March 2016 13:59

Dornumer jüdische Familien in Yad Vashem

Norden, Leer, Emden, Esens, Jever, Aurich und Weener - diese 7 Namen ehemaliger jüdischer Gemeinden findet man in der Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem, im Tal der Gemeinden. Dort sind die meisten aller jüdischen Gemeinden Europas, die in der Shoah vernichtet oder fast vernichtet worden sind, verewigt. In Meter hohe Felswände sind die Namen eingemeißelt. Kleinere jüdische Gemeinden wie Dornum, Jemgum, Bunde oder Neustadtgödens wurden aufgrund der Vielzahl der Gemeinden nicht berücksichtigt, sind aber in einem Buch festgehalten. Andrea Döhrer, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Synagoge Dornum nahm im Oktober des vergangenen Jahres an einem Seminar in Yad Vashem teil und überbrachte jeweils ein Belegexemplar der vom Verein herausgegebenen Bücher sowie die vollständig ausgefüllten Gedenkblätter von Elkan, Rosa, Willy, Siegfried, Lieselotte, Brunhilde und Karla Weinthal sowie von Alma (geb. Wolffs), Norbert und Helga Leiser. In Yad Vashem befindet sich der einzige Ort der Welt, an dem alle Namen der über 6 Millionen ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder gesammelt werden. Um möglichst viele Namen zu erfassen, ist Yad Vashem auf die Mithilfe vieler Menschen angewiesen, und aus aller Welt erreichen die Gedenkstätte Zuschriften von Gedenkblättern, auf denen steckbriefartig die wichtigsten Lebensdaten, manchmal sogar ein Foto, aber auch nähere Angaben zu Deportation und Ermordung festgehalten sind.

Friday, 19 June 2015 00:00

Wandelkonzert

Am 06. Juni 2015 fand das Wandelkonzert "klang!abenteuer" in Dornum statt. In der Synagoge spielte Hauke Piper Melodien auf der Melodica und der Spieluhr. Weitere Musiker waren im Schloss und in der Kirche zu hören. Am 04. Juli 2015 findet das letzte Wandelkonzert in diesem Jahr statt. Unter dem Motto "aus:klang" werden Musiker im Schloss, in der Kirche und in der Synagoge zu hören sein; Beginn um 19:30 Uhr.

Die Gedenkstätte "Synagoge Dornum" in der Kirchstrasse ist freitags bis sonntags von 15.00-18.00 Uhr geöffnet. Besondere Führungen über den jüdischen Friedhof in Dornum finden am 23.04. und 25.04. um 15.00 Uhr statt; Treffpunkt ist an der Synagoge. Ab Donnerstag, 24.04.2014, finden jüdische Führungen durch Dornum statt, jeweils donnerstags, 15.00 Uhr; Treffpunkt ist ebenfalls an der Synagoge. Männliche Besucher bitten wir zu berücksichtigen, dass sowohl in der Synagoge als auch auf dem jüdischen Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen ist.

Saturday, 02 November 2013 16:52

Gedenkveranstaltung am 09.11.2013 in Dornum

Am 9. November jährt sich der Tag, an dem in Deutschland die Synagogen brannten oder verwüstet wurden zum 75. Male. Jüdische Bürgerinnen und Bürger, deren Familien seit Jahrhunderten im Ort gelebt hatten, wurden beschimpft, verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt, so auch die jüdischen Einwohner Dornums. Die Synagoge, die zwei Tage zuvor verkauft worden war, wurde verwüstet. Das sich noch in der Synagoge befindliche Inventar und die aus dem Hause des Vorstehers Wilhelm Rose entwendeten Torahrollen, Gebetbücher und Gemeinderegister wurden am 10. November 1938 im Beisein der Bevölkerung auf dem Marktplatz verbrannt.

Was damals geschah, darf nicht vergessen werden. Die Erinnerung an das Leid, das der jüdischen Bevölkerung zugefügt wurde, soll uns mahnen und bewußt machen, dass die Ausgrenzung von Menschen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf. Deshalb möchten wir mit Ihnen zusammen an die Geschehnisse des 9. November 1938 erinnern und laden Sie hiermit zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung am 09. November 2013 um 11.00 Uhr auf dem Dornumer Marktplatz ein.

Am Dienstag, dem 6. August 2013, begrüßten der Leiter der Gedenkstätte „Synagoge Dornum“ Georg Murra-Regner und der Dornumer Bürgermeister Michael Hook die 110.000. Besucherin. Frau Ellen Meixner aus Nordhorn, die seit mehr als sechs Jahren ihren jährlichen Urlaub in Dornum verbringt und zum wiederholten Male die Gedenkstätte besuchte, war überrascht, dass der Besuch diesmal etwas Besonderes sein sollte, denn sie ist die einhundertzehntausendste Besucherin seit der Gründung der Gedenkstätte im Jahre 1992.

Frau Meixner wurden eine Urkunde sowie ein Buchpräsent vom Leiter der Gedenkstätte überreicht. Bürgermeister Michael Hook beglückwünschte ebenfalls Frau Meixner und überreichte im Namen der Gemeinde Dornum einen Blumenstrauß. Er hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Ausstellungen, die immer wieder von den Mitgliedern des Vereins konzipiert werden, sowie Murra-Regners Führungen durch das ehemalige jüdische Dornum viele Besucher anziehen. Die Mitglieder des Gemeinderates sind sich ihrer Verantwortung bewusst, was es bedeutet, als einziger Ort in Ostfriesland  noch eine Synagoge zu besitzen. Er wünschte Frau Meixner einen guten erholsamen Urlaub in der Gemeinde Dornum und sprach die Hoffnung aus, dass sie noch viele Male die „Gedenkstätte Synagoge“ in Dornum besuchen möchte.

Das Besondere in diesem Jahr ist die zusätzliche Ausstellung „Die Dornumer Synagoge brannte nicht“, die im Rahmen des Projektjahres „Land der Entdeckungen“ der Ostfriesischen Landschaft konzipiert wurde.

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