Die Synagoge in Dornum - vor 175 Jahren neu gebaut

Im Jahre 1841 vor 175 Jahren wurde das einzige noch heute in Ostfriesland stehende Synagogengebäude in Dornum errichtet.

Urkunden aus dem Jahre 1730 belegen, dass die Judenschaft zu Dornum in der alten hohen Kirchstraße über einen eigenen Betraum verfügte.

Der Geldverleiher Samuel Arons ließ 40 Jahre später, da sich die Gemeinde vergrößerte, im Jahre 1770 auf eigene Kosten eine neue Synagoge mit angebautem Logement für den Custos der Synagoge David Isaaks am gleichen Platz des früheren Betraums errichten. Bis zur Fertigstellung der neuen Synagoge fand die Thoralesung  im Hause seiner Eltern statt. Arons verkaufte 1773 „unter gewissen Bedingungen“, wie es am 5. September 1776 im Hypothekenbuch heißt, wegen ständiger Streitigkeiten und Prozesse gegen einige Mitglieder der Dornumer Judenschaft die Synagoge, das Logement sowie den von seiner Mutter Hester Samuels geerbten jüdischer Friedhof an die Dornumer Judenschaft. Die vorhandene Thora sowie die Leuchter, den silbernen Jad (Hand) zum Lesen der Thora sowie diverse andere silberne Synagogengegenstände durften laut Vertrag von der Judenschaft weiter benutzt werden, verblieben jedoch im Besitz von Arons. Weiterhin machte Arons zur Bedingung, dass zwei Betplätze, davon einer in der Männersynagoge, der zweite in der „Weiberordnung“ (Frauenbetraum), ihm und seiner Frau vorbehalten blieben. Als weitere Bedingung forderte Arons, dass zwei Gräber in der Reihe seiner Familie für ihn und seine Ehefrau frei zuhalten sind. Dafür erließ er der Judenschaft 20 güldene Louidors, die er von der Kaufsumme abzog.   

Hester Samuels hatte 1723 von dem Herrlichkeitsbesitzer Haro Joachim von Closter die schon seit einigen Jahren angeheuerte Lübbe Lübbenwarft, die seit der Weihnachtsflut von 1717 als Friedhof benutzt wurde, erworben.

1841 wurden zwei Bürger lutherischen Glaubens aus Dornum verpflichtet, eine wahrheitsgemäße eidliche Ehrenerklärung darüber abzugeben, ob die Judenschaft von Dornum schon immer eine Synagoge an diesem Platz ihr eigen nannte und auch ständig gebraucht hätte. Diese Ehrenerklärung war notwendig geworden, da die Judenschaft bemüht war, für den Neubau einer Synagoge einen Kredit zu erwirken. Mit Datum vom 17. Dezember 1841 wurden der Judenschaft zu Dornum 100 Pistolen (preußische Währung) von dem christlichen Geldverleiher Haitet Fastenau aus Schweindorf eingeräumt. Zur Absicherung des Kredits, der bar vorgestreckt wurde, mussten die Dornumer Juden ihr gesamtes Hab und Gut verpfänden. Sie erklärten und verpflichteten sich solidarisch, d.h. einer für alle und alle für einen, das Darlehen mit 1% jährlich vom gleichen Tage an in kapitalmäßiger Münzsorte zurückzuzahlen. Obwohl die Verschuldungsurkunde erst 1842 im herrschaftlichen Gericht unterzeichnet wurde, war die Synagoge schon 1841 fertiggestellt.

Die Synagoge wurde das erste Mal 1860 von innen renoviert. 1895/96 wurden Sitzbänke eingebaut. 1920 wurde die Synagoge an die örtliche Stromversorgung angeschlossen und erhielt elektrische Beleuchtung. Die Mikwe (Ritualbad) der Gemeinde befand sich nach Aussage eines Augenzeugen im hinteren Teil zur Kirchstraße hin in der Synagoge und konnte von außen durch einen separaten Eingang betreten werden. Bei dieser Mikwe kann es sich jedoch nur um das 1904 stillgelegte Ritualbad handeln, da sich im Anbau der im Jahre 1904 neugebauten, 1922 geschlossenen und 1933 verkauften Elementarschule in der Beningalohne eine für damalige Zeit moderne Mikwe noch heute befindet. Am 7. November 1938, nur zwei Tage vor der Reichspogromnacht, wurde die Synagoge an den Nachbarn und Möbelhändler August Tessmer verkauft, der die Räumlichkeiten als Möbellager und Tischlerwerkstatt nutzen wollte. Das sich noch in der Synagoge befindliche Inventar, Bänke, Vorbeterpult und der Thoraschrein, wurde mit dem aus dem Hause des Vorstehers Rose entwendeten Kultgegenständen und Gemeindeunterlagen am 10. November 1938 auf dem Marktplatz verbrannt.

1953 wurde der Vordergiebel verändert und mit zwei Schaufenstern und einer schmalen Ladentür versehen. Das Gebäude wurde bis 1989 für verschiedene Zwecke genutzt.

Im Jahre 1990/91 wurde die Synagoge, die lediglich als einziges Gebäude von ehemals 12 Synagogen in Ostfriesland, zwar beschädigt, erhalten geblieben war, restauriert. Die nur mit einem Holzfußboden abgedeckte Mikwe, die sich unter dem rechten Frauentrakt befand, wurde als solche nicht erkannt, mit Sand verfüllt und zubetoniert. Die Dornumer Synagoge ist zugleich die einzige erhaltene Landsynagoge im Weser- Ems -Gebiet.

Seit dem 5. März 1992 wird die Synagoge als Gedenkstätte von den Mitgliedern des 1989 gegründeten Vereins „Synagoge Dornum“ e.V. (Förderverein) betreut. In den Räumlichkeiten befindet sich eine Dauerausstellung über die ehemalige jüdische Bevölkerung von Dornum und Ostfriesland. An Hand von originalen Kultusgegenständen, Thora, Megilla-Ester, Gebetsbüchern zu den verschiedenen Festen und hohen Feiertagen, Menora, Chanukkaleuchter ect. wird das jüdische religiöse Alltagsleben in einer großen Wechselausstellung dargestellt. Die Mitglieder des Vereins sind bemüht, in Wechselausstellungen auch den verschiedenen Strömungen des jüdischen Volkes Rechnung zu tragen.

Am 5. März 2017 möchten wir in einer besonderen Gedenkstunde der jüdischen Opfer  und der Zerstörung der Synagoge gedenken. Zugleich möchten die Mitglieder des Fördervereins die Wiedereröffnung der „Synagoge“ vor 25 Jahren als Gedenkstätte vorstellen und Einblicke in ihre Gedenkstättenarbeit geben.

Wenn Sie über unsere Gedenkstätte oder über unsere Arbeit mehr erfahren möchten, besuchen Sie uns in der Dornumer Synagoge. Öffnungszeiten: Freitag - Samstag – Sonntag von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Mit Gruppen nach Vereinbarung.

Georg Murra-Regner

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