Die jüdische Religion

Rate this item
(1 Vote)

DIE TORAH

Torah_1

Die Torah in Dornum ist vor 10 Jahren aus Israel wieder nach Deutschland zurückgeführt worden. Sie hat ein sehr hohes Alter und ist rituell völlig in Ordnung. Sie kann bei jedem Gottesdienst benutzt werden

Von aschkenasischen = deutschen Juden auch Tauro (Lehre oder Weisung oder auch „Der Weg“ genannt.)

Ursprünglich bedeutet die Torah Einzelbelehrung. Darum wird sie oft in der Mehrzahl „Torot“ genannt, weil sie nicht nur von den Eltern als Belehrung an ihre Kinder verstanden wurde, sondern auch von den Weisen, die an den Toren Jerusalems saßen und die Aus- und Eingehenden unterrichteten.

Das Lernen eines Lehrgedichtes, das in einer speziellen Kundgebung des Priesters an das Volk oder an den Anfragenden gerichtet war, nannte sich in den Frühzeiten auch Torah.

Mit „Torah“ wurde aber auch die Weisung G´ttes an Israel als theoretische Glaubensbelehrung über den Menschen verstanden.

Meistens wurde die Torah als Pflichtlehre und als Kultusvorschrift verstanden.

Sie unterschied diese Vorschriften von den weiteren Rechtsgesetzen in der Torah. Diese Belehrungen G´ttes wurden durch die Propheten oder die Priester alleine weitergegeben. Sie waren sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form den Lehrern zur Hand gegeben.
Die g´ttliche Herkunft der Torah war bei allen Handlungen und Prophezeiungen, die ausgesprochen wurden, eine Selbstverständlichkeit, denn nur die g´ttliche Offenbarung konnte diese Kraft von sich geben und somit war sie nicht von menschlicher Geisteskraft geschaffen.
Es gab aber auch die Priester-Torot. Sie stammten aus geschlechterlangen Überlieferungen, die nur mündlich weitergegeben wurden und später wegen ihres unkontrollierten Ursprunges jedoch nicht fortgeführt wurden. Diese Priester-Torot waren allgemein gültig und waren nicht auf den Einzelnen anwendbar. Sie galten jedoch als Ha Kodesch (heilig).

Heute bezeichnen wir die Schrift, die uns durch Moses als gegebene Religionslehre unterbreitet wird, als Torah.

Es ist die Schrift, die nach Deut. 1,5; 4,44 in Moab gegeben wurde.

Seit ungefähr 400 vor dieser Zeitrechnung bedeutet jedoch die Torah die gesamten fünf Bücher Moses, die den ersten der drei Teile der hebräischen Bibel bilden. Sie wird vom Griechischen her auch als Pentateuch bezeichnet, was das „Fünf-Rollen-Werk“ bedeutet.

Im christlichen Testament wird die Torah auch oft „Nomos“ genannt, das „Gesetz“.

Jüdische Menschen bezeichnen sie kurz „Chumesch“. Sie enthält die Bücher Bereschit, Schemot, Wajikra, Bemidbar, Dewarim.

Inhalt dieser Bücher ist die Geschichte und die Vorgeschichte Israels sowie der Werdegang des Volkes in Ägypten. Sie wird geführt von Ägypten bis hin durch die Wüste und bis zum Tode von Moses.

In ihr sind sowohl moralische, juristische als auch kultische Vorschriften verstreut, die sogar den Aufenthalt am Sinai verdeutlichen. Die Einteilung der fünf Bücher Moses ist wahrscheinlich schon älter als die Vorschrift, dass am Text nichts mehr geändert werden darf.

Obwohl Moses der Verfasser der Torah ist, so wird von ihm selbst doch immer in der 3. Person gesprochen, da er natürlich die Torah auf Geheiß und Diktat G´ttes niederschrieb.

Somit hat jedes Wort, ja, jeder Buchstabe in ihr die gleiche Bedeutung und jede Vorschrift die ewige Gültigkeit. Fromme jüdische Menschen bezeichnen die Torah als das vom Himmel gekommene, das soll heißen, das von G´tt gegebene.

Die Torah ist die erste und  die heilige Grundlage der jüdischen Religion. Dazu hat der Prophet Esra sie gemacht. Erst nach Vervollständigung der Torah wurden die anderen Bibelteile angeschlossen.

Die Torah enthält weiterhin die 613 Ge- und Verbote des jüdischen Lebens. Sie sollten von allen jüdischen Menschen streng beachtet werden, denn die Rabbinen und die Lehre des Judentums sehen in ihnen den wichtigsten Teil der Torah.Die orthodoxen jüdischen Menschen bezeichnen den gesamten Tenach (d.h. alle Bücher der hebräischen Bibel) als Torah, als Lehre und Weisung und somit als alles von G´tt Gegebene.

Die Torah wird zur Vorlesung in der Synagoge auf eine Pergamentrolle geschrieben. Man nennt sie auch Sefer Torah, das bedeutet „Buch der Torah“ oder kurz „Sefer“ genannt.

Das Pergament wird auf zwei Stäbe – „ez chaim“ – Lebensbaum- gerollt. Diese Lebensbäume haben unten und oben eine Querscheibe, damit beim Rollen das Pergament sich nicht verschiebt.
Die Torah wird gewöhnlich mit einem Tuchband zusammengerollt und verknotet. Sie wird dann mit einem Torahmantel bedeckt sowie mit einem Torahzeiger (Jad = Hand), der einen ausgestreckten Zeigefinger zeigt und mit silbernen Torahbehängen geschmückt.
Sie wird dann nach Ende der Lesung in der Synagoge so in den Aron ha kodesch (Torahschrein) gestellt. Dort wird sie natürlich zum nächsten Vorlesen mit hoher Würde wieder ausgehoben. Der Torahschrein wird zusätzlich noch mit einem Torahvorhang bedeckt.

Der Mensch verschafft sich durch ständiges Lernen einen Anteil an der Ewigkeit.
Es heißt „Wende sie um und um, denn alles ist in ihr“. Das Torahstudium macht den Nichtjuden dem Juden gleich. Es ist das wichtigste Gebot und nach manchem noch wichtiger als Elternehre und Wohltätigkeit, Tempelbau und Opfer. Es ist soviel wert wie alle Gebote zusammen. Wo die Torah studiert wird, ist die Nähe G´ttes vorhanden. Es reinigt die Unreinen und ist ein Gegengift gegen die Sünde und Versuchung.
Die Torah unterscheidet somit zwischen Israel und den anderen Völkern, denn G´tt bot allen Völkern  die Torah an, aber sie lehnten sie ab und konnten die Schwere der Last der Vorschriften nicht tragen. Aber Israel nahm sie als Joch auf sich und erhielt so Anteil am Ewigen und am ewigen Bestand.
Im Deutoronomium ( = 5. Buch Mose) steht: „Wer ein Gebot der Torah leugnet, wer einen Buchstaben ändert oder weglässt, soll ein G´ttesleugner genannt werden. Und wer glaubt, sie stamme nicht vom Himmel, der soll keinen Anteil an der künftigen Welt haben.“

Bei der Einweihung einer Torahrolle gilt es als eine besondere Ehre, am letzten Satz einen Buchstaben zu schreiben oder das gesamte letzte Wort. Die Torah darf nur unter großer Ehre und Verehrung transportiert werden. Die Torah ist das von G´tt Gegebene. Sie wird weiterhin an besonderen Tagen wie ein König mit einer Krone geschmückt. Ihr Aufbewahrungsort, der Torahschrein, ist der Richtpunkt aller Blicke der Beter. Der Vorbeter hält beim Ausheben die Torahrolle in den Armen, und bei den Liedern zum Lobe G´ttes soll die ganze heilige Lade geöffnet werden. So wird gleichsam das Schauen G´ttes vermittelt.

Torahschild
Sie wird geküsst, und oft fallen Tränen der Trauer oder Freude auf ihre Bedeckung.
Ist eine Torahrolle nicht mehr brauchbar (hebr. treife), d.h., wenn ein Wort oder ein Buchstabe nicht mehr lesbar oder verwischt ist, wird sie zusammengerollt und auf dem Friedhof unter großer Anteilnahme feierlich bestattet.
Oft haben Synagoge einen besonderen Aufbewahrungsort, die Genisa, wo die nicht mehr brauchbaren heiligen Schriften  bis zur endgültigen Bestattung aufbewahrt werden.
Auf den Gräbern werden Steine gesetzt, auf denen man lesen kann „Hier wurde die heilige Rolle der heiligen Gemeinde begraben“.

Das Schreiben einer Torah, ob von einem Privatmann oder einem Berufsschreiber, Sofer torah, gefertigt, muss mit sehr viel Andacht erfolgen und erfordert besondere Weiheakte. Während im Altertum das Bücherschreiben Sklaven unterlag, darf die Torah in der Neuzeit nur von wahrhaft frommen Männern geschrieben werden. Als letztes der 613 Gebote  gilt, dass jeder Jude eine Torahabschrift selber fertige oder besitze. Dieses ist aber wegen des großen Aufwandes und der Kunst des Schreibens nicht möglich. Daher sind handgeschriebene Torahrollen meistens nur in Synagogen vorhanden.

Sie werden zu besonderen Anlässen (z.B. nach schwerer Krankheit, als Dank, wenn die Familie einen Pogrom lebend überstanden hatte) gestiftet.

Als Material darf nur Pergament, die Haut von rituell reinen Tieren, meistens Kalbshaut, verwendet werden.Die Tinte muss schwarz und ohne metallische Stoffe sein. Als Schreibgerät diente ursprünglich nur das Schreibrohr oder auch die Gänsekielfeder. Linierung, Kolumnen und Texteinteilung, Rand und Zwischenräume dürfen nicht besonders markiert sein. In den Torahrollen darf selbst kein Schmuck oder Bildhaftes vorhanden sein. Auch der kleinste Fehler führt dazu, dass eine Torahrolle nicht verwendet werden darf.

So einfach die Torah gehalten wird, so prunkvoll entwickelten sich die Torahmäntelchen, die Krone und weiterer Torahschmuck.

Jüdische Menschen bemühen sich, die Vorschriften der Torah zu halten, was oft von der Schwere her nicht möglich ist. Die Weisen Israels sagen „Nicht der Jude hält die Torah, sondern die Torah hält den Juden“, denn ohne Torah gäbe es das Judentum nicht.

Der große Rabbi Akiba erklärt: „Mach dich bereit zum Studium der Torah, denn sie ist nicht dein Erbe.“

( Georg Murra-Regner)

Read 7444 times Last modified on Wednesday, 15 February 2012 21:30
Web Analytics