Geschichte der jüdischen Gemeinde

 

EINST EINE LEBENDIGE GEMEINDE

Im 19. Jahrhundert lebten in Dornum etwa 800 Menschen, darunter befanden sich 85 Frauen, Männer und Kinder jüdischen Glaubens.

Die ersten Juden waren nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Dornum gekommen, denn die Besitzer der ehemaligen Herrlichkeit benötigten zur Finanzierung ihres aufwendigen Lebensstiles Geld, das sie selbst nicht aufbringen konnten und sich bei jüdischen und nichtjüdischen Geldverleihern beschafften.

Anfangs wohnte nur eine Familie im Ort, denn es galt das so genannte "Einfamilienwohnrecht". Doch nach der Weihnachtsflut im Jahre 1717 wurde dieses Recht aufgehoben und den Juden ein freier Zugang gestattet. Zudem wurden "Judengeleite" und "Schutzbriefe" verliehen. 1723 kaufte die jüdische Gemeinde jenen Friedhof, den sie zuvor angepachtet hatte. Das Leben in der Dorfgemeinschaft war ein harmonisches: Die Juden lebten in Dornum als anerkannte Bürger. Sie waren Mitglied in den örtlichen Vereinen und stellten mehrmals den Dornumer Schützenkönig.

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Mit dem Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland veränderte sich das Leben der Dornumer Juden. Auch für sie wurde der Antisemitismus zu Beginn der 1930er-Jahre spürbar. Am 1. April 1933, dem so genannten Boykott-Tag, zogen SA-Posten vor die jüdischen Geschäfte und überwachten, ob jener Boykott auch eingehalten wurde. Am 5. April 1933 verhaftete die SA den Dornumer Viehhändler Jako Rose und brachte ihn in das Polizeigefängnis nach Norden. Am nächsten Tag machte die Nachricht "Selbstmord durch Erhängen" sehr schnell die Runde. Aus Angst vor Verfolgung und Repressalien verließen daraufhin viele jüdische Bürger Dornum, ihre ostfriesische Heimat. Die Familie Cohen wanderte nach Palästina aus, die Familie Rose verließ Ostfriesland in Richtung Amerika. Ein großer Teil der jüdischen Gemeinde Dornums blieb – und kam in den Vernichtungslagern um.

Gezeigt werden u.a. Fotos von jüdischen Familien aus Dornum, ein Hochzeitsvertrag, Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg sowie Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ebenfalls sind Dokumente von emigrierten Dornumern zu sehen. Eine Gedenktafel und verschiedene Berichte erinnern an das Schicksal der jüdischen Familien aus Dornum, die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden.

 

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